Über hohe Erwartungen möchte an einer anderen Stelle noch mal ausführlicher schreiben. Hier soll nur kurz erwähnt werden, dass letzter Zeit nur wenige bis gar keine Bücher meine Erwartungen erfüllen kann. So kam es wahrscheinlich, dass ich Franzobel's Wiener Wunder mit einer gewissen Gleichgültigkeit in die Hände genommen habe, und genauso unerwartet hat es mich richtig amüsiert.
Ein Krimi (1 Punkt), spielt in Wien (noch 1 Punkt), sarkastisch-witzig (ganz viel Punkte).
Kurz zum Inhalt: Der Spitzensportler Wenninger, der vor Kurzem wegen Doping mit dem Wettkampf aufhören musste, wird tot auf der Straße aufgefunden. Er ist aus dem Fenster vom vierten Stock in die Tiefe gestürzt. Nach seiner gescheiterten Karriere geht man von seinem Selbstmord aus. Nicht so der Kommissar Groschen, der einige Tage davor eine anonyme Email erhalten hat, mit der Botschaft, dass ein berühmter österreichischer Sportler in den kommenden Tagen ermordet wird.
Es war natürlich kein Selbstmord...
Spannende Geschichte über die Sportlerkarriere, über die unglaublichsten Dopingmethoden, über die Verwicklung der Politik und der Sportartikelhersteller in dem Leistungssport, erzählt in den unterschiedlichen Vierteln Wiens, gewürzt mit Wiener Lebensart und gespickt mit Sätzen wie diese:
" (...) Groschen fragte den Kellner, als er ihm einen Teller mit Oliven hinschob, ob er einen Karl Stanek kenne, aber der zuckten nur mit den Schulter und wackelte verneinend mit dem Kopf. Nachdem ihn der Kommissar am Ärmel gepackt, ihm die Polizemarke gezeigt und etwas von Lebensmittelpolizei und Arbeitsrecht gemurmelt hatte, gab er zu, den Spritzen-Charly schon ein Paar mal gesehen zu haben, immer allein, nachmittags. (...)"
Das Buch ist bei Zsolnay erschienen und es ist auch sehr schön gestaltet (hier das Link)
Der Punkt 41. "ein Buch, von dessen Autor ich noch nichts gelesen habe" wird damit abgehakt.
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