Der deutsche Experte für Parapsychologie wird von einem italienischen Ehepaar eingeladen, in ihrer Villa in der Nähe von Genua einige mysteriöse Dinge aufzuklären: zitternde Lampen, platzenden Glühbirnen, durchs Fenster fliegende Steine. Täter unbekannt, Ursache unklar. Der "Dottore" sucht zunächst nach einer gewöhnlichen, naturwissenschaftlichen Erklärung, und stößt dabei auf unerwartete Aussagen, verschwiegene Geschichten, verheimlichte Ereignisse.
Dass der Autor Professor für Strafrecht ist, erklärt einiges an den einzelnen Aspekten. Kindesmissbrauch ist das eine, was letzter Zeit mit der katholischen Kirche und einigen Eliteinternaten in Verbindung gebracht wurde, aber häufig verschwiegen wurde, dass die meisten Fälle leider in der vertrauten Umgebung, nämlich in der Familie auftreten. Neben den Tätern gibt es noch die Mitwisser, die jedoch nichts unternehmen.
Das zweite Thema, was mich besonders beeindruckt hat, die Parapsychologie im Strafverfahren. Das ist natürlich ein bisschen überspitzt, zeigt aber, mit welchen Problemen die Gerichte konfrontiert werden, wenn Menschen ihre Taten mit der Mondphase, Schicksal oder - wahrscheinlich sehr häufig - mit Religion oder kulturellem Hintergrund erklären (Stichwort Ehrenmord).
Die Kernfrage war für mich (das dritte Thema) die Selbstjustiz. Wann ist es gerechtfertigt? Es war sehr clever, dass das Buch nicht in Deutschland, sondern in Italien spielt, also auf "neutralem " Terrain, wo wir uns mit den Einzelheiten nicht auseinandersetzen müssen: wie wird Kindesmissbrauch bestraft, wann ist es verjährt, brauchen wir strengere Gesetze oder werden nur bestehende Gesetze nicht "stark genug" eingesetzt. Der Autor, der dazu bestimmt seine eigene Meinung hat, will diese Fragen nicht beantworten, es ist schließlich ein Krimi, kein wissenschaftlicher Aufsatz. Eins ist jedoch sicher: wenn wir uns vor dem Gericht für unsere Taten nicht verantworten müssen, wird irgendwann ein Tag kommen, an dem jeder einzelne allein dasteht und alles erklären muss.
Bewertung:
Mit dem Buch setze ich einen Haken am Punkt 27 in meiner ReadingChallenge Liste.
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